Das Web 2.0 hat schon lange Einzug in das politische Leben gehalten. Problematisch ist nur, dass viele Politiker – quer durch alle Parteien – es leider nicht ernst nehmen. Schade eigentlich. Der folgende Artikel ist keine theoretische Festlegung und erhbet keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll CSU-Politikern aller Ebenen ein paar Anregungen und Tipps im Umgang mit diesen Medien geben.
Fangen wir mit der Grundlage an – den Weblogs. Viele Weblogs sind leider nur Startrampen für Pressemitteilungen. So etwas liest natürlich niemand gerne. Ein gutes Weblog kostet Zeit (Verfassen und Kommentare moderieren, wenn nicht noch mehr), wer die aber hat und “schreiben kann” – prägnant und unterhaltsam, für den kann ein Weblog einen Mehrwert bringen. Wer gezwungen wird, politische Inhalte auf griffige Formulierungen zu bringen – und nicht etwa auf leere Worthülsen – der wird in die Lage versetzt, diese seine Politik ebenfalls in Sitzungen und Diskussionen erfolgreich durchzusetzen und zu verteidigen. Von vielen andern Vorteilen ganz abgesehen, wie gesagt, nur schreiben muss man können (oder können lassen).
Twitter ist dagegen schon ein neueres Phänomen. Sagen, was man möchte, und das in nur 140 Zeichen. Geht schon, kurz schreiben ist aber eine Kunst. Tatsächlich lassen sich so sehr effektiv Kurzmeldungen an eine riesige Schar von Bewunderern versenden. Beispielsweise Perlen wie das da, dieses hier oder jenes dort. Man kann dort zudem – bitte nur in homöopathischen Dosen – RSS-Feeds einfließen lassen. Nicht weniger, aber keineswegs auch mehr. Politische Twitterer (auch unser Kanal) finden sich inzwischen auf der Seite parteigefluester.de in einer aktuellen Übersicht zusammengefasst.
Und sagte ich “riesige Schar”? Die sozialdemokratischen Oberzwitscherer Herr Heil und Herr Schäfer-Rümmel haben jeweils rund 2500 sogenannte Follower. Wenn ich irrtümlicherweise unterstelle, dass das Nichtwähler seien, die dem Herrn Schäfer plötzlich an den Lippen kleben, dann hätte das in Hessen 0,4 % mehr Stimmen für die SPD bedeutet. Wahnsinn, nicht wahr? Zu Hubertus Superstar auf Twitter sei noch dieser Nachschlag empfohlen.
Schäfer-Gümbel hat übrigens heimlich von einer Agentur twittern lassen – das kam durch einen kleinen “Unfall” heraus. Peinlich ist dabei weniger die Tatsache an sich als das pseudeauthentische Getue, wenn das Tweet in Wirklichkeit vom Praktikanten im Großraumbüro stammt. Nach der Wahl hat er recht schnell ziemlich die Lust an diesem Medium verloren und twittert neuerdings nur noch über das Wetter, vielleicht standen auch einfach keine Mittel mehr zur Verfügung, um die Agentur zu bezahlen.
Alles in allem ist Twitter ganz lustig, wenn man so möchte, eine kleine Fingerübung, mehr aber derzeit – noch – nicht. Seid dabei, aber versprechts Euch nicht zuviel davon.
Und Facebook? Auf Facebook lässt sich sehr schnell ein Profil anlegen und mit Inhalten aus anderen anderen Diensten befüllen. Das kann ganz ansehnlich werden (Beispiel: unsere
Landwirtschaftsministerin, die einen in dieser Beziehung sehr aktiven Assistenten hat), erfordert aber zumindest am Anfang etwas Zeit. Oder man unterstützt Gruppen (wie diese Gruppe der CSU) oder Fanseiten wie die für unseren MP Seehofer oder für unseren jungen Wirtschaftsminister. Facebook ist ein Goodie – so wie seit einigen Jahren jeder Kreispolitiker eine eigene Homepage hat -Â aber ernsthafte politische Vorteile hat niemand dadurch, auch wenn der Vorteil, eigene Informationsnetzwerke aufzubauen und andere Mitglieder an sich zu binden, nicht unterschätzt werden darf.
Daneben gibt es noch ein Vielzahl anderer Netzwerke, von denen in der Bedeutung aber keines an Facebook heranreicht. Weder die skandalträchtige VZ-Gruppe noch das dezidiert “unpolitische” Xing lassen sich hier ernsthaft vergleichen. Bei dieser Gelegenheit würde ich gerne noch auf abgeordnetenwatch.de hinweisen. Das gehört zwar nicht zum sogenannten Web 2.0, nur wer seine politische Reputation als MdL oder MdB aufpoliert sehen möchte, sollte mich immer fragen, ob er alle dort ernsthaft gestellten Fragen auch mit der gebotenen Höflichkeit, Ausführlichkeit und Prägnanz beantwortet hat.
Daneben hinaus bietet das Web 2.0 ideale Möglichkeiten, um Bilder (z. B. Flickr) oder Lesezeichen (z. B. mit delicious oder Mister Wong) zu transportieren. Es ist doch sehr viel einfacher und bietet deutlich mehr Öffentlichkeit, die Eindrücke z. B. eines Messebesuchs oder einer Bürgerstunde (Abbildungsrechte beachten) über ene solche Seite zu veröffentlichen als über die eigene Homepage. Genauso kann ich andere Leute über meine Lesezeichen bei del.icio.us oder Mister Wong auf interessante Webseiten oder Zeitungsartikel aufmerksam machen. In den meisten Fällen reichen dazu wenige Klicks – praktisch und effizient.
Die Sozen glauben ernsthaft, Obama sei gewählt worden, weil er “getwittert” hat und über ein Profil oder eine Seite bei Facebook verfügt. Das ist natürlich Schmarrn, aber an irgendetwas müssen sich ja die roten Atheisten festhalten. Obama war in der Lage, mit den hier beschriebenen Medien seine Anhänger zu mobilisieren, und das vor allem bei den Vorwahlen. Das ist an sich lobenswert, steht aber im engen Zusammenhang mit den US-amerikanischen Besonderheiten.
Kurz gefasst lässt sich zu diesen neuen Seiten sagen:
Präsenz und Flagge zeigen – ja gerne. Glauben, dass man damit eine Wahl gewinnt – besser nicht.