Heute titelt Tagesschau.de Milch soll Vorrang vor Breitband-Internet haben, was mit Verlaub zumindest schlecht formuliert ist.
Fakt ist, dass die Existenz unserer Milchbauern wohl kaum “europäischen” Interessen geopfert werden darf. Wer jetzt den Milchbauern die Existenzgrundlage entzieht, muss sich nicht wundern, wenn Milch zum reinen Importartikel wird. Welche Auswirkungen das auf Versorgungslage und Qualität haben kann, vor allem, wenn die Nachfrage in Asien wieder steigen sollte, mag sich jeder selbst ausmalen.
Gefragt sind sicher die Molkereien. Nach dem Milchboykott im letzten Jahr heiß es, die großen Abnehmer wollten einlenken. Haben sie nicht getan, der Preis setzte allerdings – marktbedingt – zu einem Höhenflug an und ist jetzt wiederum deutlich niedriger als vor dem Boykott. In diesem Fall lässt sich sehr gut beobachten, wie der rein, unregulierte Markt nach Art einer liberalistischen FDP in monopolartigen Strukturen versagt, wenn kein Staat regulierend eingreift.
Hier muss sich der Verbraucher an die eigene Nase fassen. Man darf nicht bereitwillig Hunderte von Euro in die private Unterhaltungselektronik investieren und gleichzeitig extra jede Woche den Discounter X besuchen, weil die Milch dort einen Cent billiger ist. Es liegt auch in der Verantwortung der Politiker, lokale Produkte zu fördern und zu stärken. Direktvermarktung ist ein Stichwort, mit dem sich auch Milchbauern auseinandersetzen sollten. Eine rentable Existenzgrundlage stellt dieser Vertriebsweg nicht dar, zumindest kann es aber ein attraktives Zubrot sein.
Die Milchbauern sind organisiert, sogar international. Es liegt an uns, sie zu unterstützen, damit sie stärker in die Offensive kommen.



