Wenn Guido Westerwelle keine handwerklich groben Schnitzer begeht – was man bei ihm nie weiß und schon zu befürchten steht – könnte die NRW-Wahl im Mai zeigen, was eine dezidierte und provokante Parteinahme für die Leistungsträger unserer Gesellschaft an Wählerstimmen bringt. Bislang habe ich den Eindruck, dass er damit eine Grundstimmung im Lande aufgefangen hat.
Wenn wir das “Problem” Hartz IV weiter aufspalten, so werden wir merken, dass es hier nicht nur um die dreihundert plus x Euro für Langzeitarbeitslose geht. Sondern darum, dass Hartz IV effizienter gestaltet werden muss. Vor allem härter für die, die können, aber nicht wollen und mit Anreizen und Förderung für die, die wollen, aber nicht können.
An Hartz IV hängt ja inzwischen ein ganzer Rattenschwanz an Dienstleistungen und Services für die armen Langzeitarbeitslosen, die bisweilen arg lächerlich wirken. Dabei würden eine kleine Maßnahme reichen, um die Streu ein wenig besser vom Weizen zu trennen, die Krankschreibung nur noch durch den Amtsarzt.
Aber bei den Kosten für Hartz IV muss man auch die Klageflut berücksichtigen, die durch die Hilfestellung der üblichen Verdächtigen – Sozialverbände und Gewerkschaften – zusätzlich geschürt wird. 27.000 “Hartz-IV”-Klagen alleine am Berliner Sozialgericht. In vielen Fällen geht es wohl nur um äußerst niedrige Beträge, welche durch die Kosten eines solchen Verfahrens um ein Vielfaches überschritten werden. Was geht bei Leuten im Kopf vor, die wochenlang lieber um dreißig Euro streiten als diese Energie in ihre Jobsuche zu investieren? Der helle Wahnsinn, der auf Kosten der Steuerzahler geht. Thore Barfuss resümiert:
Dieser Selbstverklagungs-Apparat hat inzwischen so bizarre Züge angenommen, dass ohne eine grundlegende Veränderung der Gesetztes- und Vorschriftentexte die Zahl der Klagen weiter steigen und sich an der Situation der Menschen doch nichts ändern wird. Am Ende ist so weder Steuerzahler noch Hartz-IV-Empfänger geholfen.
Die Regierung täte gut daran, in der Sozialgesetzgebung einen größeren Wurf, besser noch einen sauberen Schnitt zu wagen, um diesen Wahnsinn zu stoppen. Man denke nur an die neuerliche Antragsflut bei der Härtefallregelung …
deutschland, hartz iv