Es geht ein Gespenst um in Deutschland, das Gespenst der politischen Korrektheit …
Nö, also dass man gerade den rot-grünen Meinungsmachern das Funktionieren von Diskussion und Meinungsfreiheit erklären muss, ist einmal mehr ein starkes Stück. Wieder einmal verzichtet das politisch korrekte Establishment auf die ansonsten beschworene inhaltliche Auseinandersetzung. Daher in appetitlich-kleinen Häppchen die Sache nochmals erklärt.
- Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben, das inhaltlich dort anknüpft, wo seine bisherigen Interviews und Äußerungen aufgehört haben. Mehrere Vorabdrucke erscheinen in Bild und Spiegel.
- Während es gerade noch nach dem Interview in Lettre International noch wenigstens ansatzweise so etwas wie eine inhaltliche Diskussion gegeben hat, werden jetzt – wie soll man es sonst nennen? – Kübel intellektueller Sch … über der Person von Sarrazin ausgeleert (Kostproben hier).
- Andererseits erfährt Sarrazin offenbar massiven Zuspruch aus der Bevölkerung (die depperten Zamperl von der NPD übersehen wir dabei einmal). Darum einmal ein paar Tipps an die politisch ach so korrekt gepolten Protagonisten – gerade auch in der Union:
- Wir lesen dann erst einmal das Buch, um uns ein umfassendes Bild zu machen. Sicher geht man damit Verleger und Autor auf den marketingpolitischen Leim, aber anders geht es wohl kaum.
- Okay, lassen wir Sarrazin einmal die Dinge zuspitzen, was er übrigens durchaus geschliffen zu tun imstande ist. Warum macht er das? Möchte er eine Ehrenmitgliedschaft in der NPD? Wird man im Vorstand der Bundesbank gar zum Nazi? Uiuiui. Und Unsinn. Vielleicht erkennt er gerade jetzt das Ausmaß und die Bedeutung von Problematiken, die sich in Schlagwörtern wie (u. a.) Parallelgesellschaften, Islamisierung, Integration gerne Bahn brechen.
- Die Entwicklung in Stadtvierteln wie z. B. Berlin-Neukölln und -Kreuzberg, Duisburg-Marxloh und -Hochfeld oder meinetwegen auch München-Hasenbergl macht vielen Deutschen Angst, selbst wenn sie weit weg von diesen Problembezirken wohnen. Multikulti ist gescheitert – was selbst vielen Grünen dämmert. Angebliche Beispiele wie Frankreich oder die USA verkennen dagegen, dass z. B. die USA bei der Zuwanderung eine strenge ökonomische Selektierung vornehmen und ein zunemehnd gespaltenes Frankreich (jetzt neu mit Burkaverbot!) wohl kaum als erfolgreiches Einwanderungsland bezeichnet werden kann.
- Statt eines deutlich und streng formulierten Integrationsgebots – wie ansatzweise in Bayern vorhanden – treten die politisch Korrekten und Siebengescheiten den Zuwanderern mit außerordentlicher Toleranz entgegen. Ansprüche an Leistung und Integrationswilligkeit werden nicht gestellt. Absonderlichkeiten wie Ehrenmorde (die hier sicherlich nicht im Vordergrund stehen) oder eine außerordentlich extrem patriarchalisch geprägte Lebensweise, eine tief verwurzelte Abneigung gegen “westliche” Lebensweise und allgemein eine wahrhafte “Vollkasko”-Mentalität, was gerade die Pflichten des Staates und Sozialstaates angeht, werden als kulturelle Bereicherung angesehen, belächelt oder auch noch gefördert, schließlich entspricht ein starker und weit über das erforderliche Maß hinaus fürsorglicher Staat dem Leitbild rot-rot-grüner Politik.
- Es wäre nun an den Unionspolitikern (dazu zählen wohlgemerkt CDU und CSU), aus dieser vermeintlichen Aufregung heraus politische Perspektiven in der Ausländerpolitik zu entwickeln und die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen, aber bitte nicht nach dem vertrauten “Laschet”-Prinzip. Übrigens skizziert auch Sarrazin einige durchaus brauchbare Konzeptionen und Wege aus der herrschenden Misere.
- Selbst wer sich für einen christdemokratischen Feingeist hält und sich an den einen oder anderen Formulierungen stößt, kommt nicht umhin, schlicht inhaltlich auf die markantesten Punkte des (Noch-)SPDlers einzugehen. Der reine Rückzug auf Formalia bzw. eine Kritik an linguistischen Fein- oder Grobheiten ließe sich auch mit dem Begriff der politischen Feigheit umschreiben.
Immerhin, einige CDU-Politiker haben sich bereits aus der Deckung getraut.




